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Vorstellung des neuen Club of Rome-Berichts in virtueller Pressekonferenz, 17.03.2020

Interview Deutschland-Radio Kultur zum neuen Club of Rome-Bericht, 16.03.2020

Die 5 Kernaussagen:

1. Nachhaltigkeit ist utopisch – nie vollständig erreichbar, doch als Leitbild unverzichtbar.

Wir wissen nicht, was wirklich nachhaltig ist, denn die langfristigen Folgen unseres Handelns können wir nie absehen. Oft genug haben sich gutgemeinte Maßnahmen später als schädlich erwiesen. Deshalb ist Nachhaltigkeit zwar  real nie erreichbar, als Ideal einer anzustrebenden Welt aber zugleich wichtiger denn je.

2. Was nicht-nachhaltig ist, wissen wir oft viel besser.

Wenn wir irreversible Prozesse im Erdsystem einleiten, wird das den Handlungsspielraum künftiger Generationen in jedem Fall stark beschränken. Deshalb sollten wir genau verstehen, aus welchen Gründen wir nicht-nachhaltig sind, was also die Nachhaltigkeitsbarrieren sind, und wie wir diese Nicht-Nachhaltigkeit vermeiden können – ohne gleich zu beanspruchen, damit schon eine wirklich nachhaltige Lösung zu haben. Ein solcher Anspruch ist nämlich, wie gesagt, letztlich uneinlösbar, was zu Überforderung und Frustration auf der einen Seite, zu irrationaler Leugnung auf der anderen Seite führt.

3. Für unsere Nicht-Nachhaltigkeit gibt es sehr unterschiedliche Gründe, die wir verstehen müssen, wenn wir mehr Nachhaltigkeit erreichen wollen.

Falsche Marktanreize, Politikversagen, fehlende Governance, Systemträgheiten, moralische Defizite etc. – es gibt viele Gründe, warum wir nicht nachhaltiger sind. Der Übergang in eine nachhaltigere Gesellschaft ist wie ein Phasenübergang in der Natur von vielen Parametern abhängig. Wenn man nur eine Barriere adressiert, und sei es noch so energisch, aber die vielen anderen nicht berücksichtigt, macht man die Dinge vielleicht noch schlimmer. Die Klimakrise werden wir nicht überwinden, wenn wir nur die Klimakrise adressieren. Transformationen werden möglich, wenn an vielen verschiedenen Stellen und Ebenen ganz unterschiedliche Akteure zusammenwirken.

4. Eine Transformation zu mehr Nachhaltigkeit braucht das konkrete Handeln Vieler. Deshalb muss die Komplexität der Herausforderungen durch Prinzipien nachhaltigen Handelns reduziert werden.

Die UN Nachhaltigkeitsziele lassen Akteure allein bei der Frage der Umsetzung: Wie können diese Ziele (die SDGs) denn erreicht werden? Deshalb muss die Komplexität der Herausforderungen reduziert und konkretes Handeln unterstützt werden, was durch die Erarbeitung von Prinzipien nachhaltigen Handelns geschehen kann.

5. Das Ziel sollte die Zukunft der Erde und des Menschlichen sein – Futeranity.  

Das Mindestkriterium für die globalen Bemühungen um Nachhaltigkeit sollte der Erhalt der Erde und des Menschlichen sein: the future of terra and humanity: Futeranity. Was die je konkreten Mittel sind, die uns diesem Ziel näherbringen, sollte in umsichtig und ernsthaft erforscht werden, doch der Begriff der Nachhaltigkeit könnte damit von seinem eschatologischen Ballast befreit, die Diskussion versachlicht und das dringend erforderliche Handeln unterstützt werden.

Ist Nachhaltigkeit utopisch? Der neue Bericht an den Club of Rome